Zurück zum Ursprung…auch in China
26 Feb
…oder Wanderarbeiter wandern zurück
Wer schon länger Leser*in meines Blogs ist und mein Auslandssemester in China mitverfolgt hat, kann sich vielleicht noch an die Schuhmesse in 东莞 Dongguan erinnern, die ich besucht habe (ja, ich liebe Schuhe!!!). Dongguan ist eine Stadt gleich neben Guangzhou (Kanton) in der südöstlichen Küstenprovinz Guangdong, die oft auch als “Fabrik Chinas” bezeichnet wird. Guangdong ist wirklich eine Fabrik. Eine Fabrik, die ALLES produziert. Eine Fabrik, in der Millionen von Menschen, meist Wanderarbeiter aus dem chinesischen Landesinneren (insgesamt gibt es 145 Millionen in ganz China), arbeiten.
Und so ist auch Dongguan sozusagen eine Stadt der Wanderarbeiter. Das kann selbst die Stadtregierung mit Stadtverschönerungsmaßnahmen wie bepflanzten Alleen nicht kaschieren. Die Teile von Dongguan, die ich damals gesehen haben, glichen einer verlassenen Geisterstadt mit riesigen Fabriken und Lagerhallen. Da und dort sah man mal einen Menschen auf der Straße (hallo wir sind in China, da sind normalerweise hunderte Leute/Autos/Tiere auf der Straße!!) und das war’s auch schon. Ziemlich trist also.
Und da kann man dann auch die 5 Prozent Wanderarbeiter verstehen, die nach ihrem Urlaub anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes in der Heimat nicht mehr nach Dongguan zurückkehren und lieber eine Arbeit in ihrer Heimatstadt suchen. Denn das geht jetzt um einiges leichter als noch vor ein paar Jahren. Wie in Chengdu (Provinz Sichuan) oder Chongqing zum Beispiel. In Chengdu (von dort kommen angeblich auch die schönsten Frauen Chinas) hat Foxconn (ja, der böse taiwanesische Apple-Zulieferer mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen und hohen Selbstmordraten) Ende 2010 eine Fabrik eröffnet, die noch weiter ausgebaut werden und in drei Jahren unglaubliche 500.000 Mitarbeiter beschäftigen soll, das entspricht ca. einem Drittel der Bevölkerung Wiens. Hat die Stadtregierung in Chongqing vor ein paar Jahren noch für Jobs in den Fabriken der Küstenprovinz geworben, ergreift sie jetzt Maßnahmen, mit denen sie die Wanderarbeiter überreden will, hier zu bleiben. Gleiches gilt für die Unternehmen in dieser Gegend, auch sie werben um die Gunst lokaler Arbeitskräfte. Wie das dann aussieht, sehen wir hier:

Credit: Imaginechina via The Economist
Das “返乡民工免费乘坐车 (fanxiang mingong mianfei chengzuoche)” am roten Banner heißt meinem Chinesisch-Verständnis nach: Gratis Fahrt für zurückgekehrte Wanderarbeiter. Das hätte ich ehrlich gesagt auch gern, dass man mit einer Limo um meine Arbeitskraft buhlt xD . Aber das wird’s wohl nie spielen, denn sowas gibt es nur in China. Sehr paradox eigentlich, vor allem wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen viele Wanderarbeiter arbeiten müssen, egal ob in einer Fabrik an der Küste oder im Landesinneren. Ich kann mich noch an die Baustellenwanderarbeiter in Guangzhou erinnern, die nachts auf der Straße schlafen mussten.
Es gibt aber auch gute Geschichten, so wie die von Zuo Qingqing, Näherin in einer Textilfirma in Dongguan. Sie hat eine geregelte Sechs-Tage Woche mit ca. acht Arbeitsstunden pro Tag, Krankenversicherung, bezahlten Überstunden und 21 Urlaubstagen im Jahr. Ob sie vielleicht bald ein besseres Jobangebot in ihrer 1500 km entfernten Heimat Xiantao (Provinz Hubei) bekommt?
Das werden wir wohl erst nach dem nächsten chinesischen Neujahrsfest erfahren, wenn sie nicht mehr nach Dongguan zurückkehrt um unsere Markenunterwäsche zu nähen.
Quellen und weiterführende Links:
- Der Spiegel: Der gute Mensch von Dongguan
- Radio China International: Wohin des Weges? – Chinas Wanderarbeiter denken um
- The Economist: Welcome Home
- The Telegraph: China’s Dongguan hasn’t given up hopes of reclaiming its title as the world’s workshop






